Ein fulminanter Begrüßungsapplaus brandet auf, als Angélique Kidjo mit Thierry Vaton zum Konzert unter dem Motto „Voice and Piano“ die Bühne betritt. Vorschusslorbeeren, die sich die beiden Stück für Stück im Laufe des Abends verdienen werden.
Text: Christoph Schumacher; Fotos: Cordula Scholz
Zur Eröffnung erklingt die einem Ruf gleichkommende Melodie „Zelie“, komponiert von Bella Bellow aus Togo, der Kidjo, die im Nachbarland Benin aufwuchs, wiederum ihren ersten eigenen Song widmete. Das zweite Lied des Abends, „Malaika“, handelt von Liebe, Armut und Geldsorgen, die im dritten Stück, „Kelele“, einem ghanaischen Highlife von Kidjos 2010 veröffentlichtem Album Õÿö, vertrieben werden. Nach kurzem Vorsingen des Refrains tönt es vielstimmig vom Publikumschor – „kelele babawa“ – und Thierry Vaton am großen Steinway-Flügel beweist, dass es keine Band braucht, um einen mitreißenden Highlife auf die Bühne zu zaubern. Seine linke Hand formt einen rhythmischen Bass, der körperlich zu spüren ist und viele weitere Stücke, nicht nur im Fortissimo, unter die Haut gehen lässt.
Mit dem anschließenden „Crosseyed And Painless“ wechselt Kidjo wieder zu einem ruhigeren Stück mit Botschaft, bevor sie mit „Bemba Colora“ eine spanische Rumba der kubanischen Salsalegende Celia Cruz intoniert, die mit „Sahara“ im Anschluss wiederum eine Widmung Angélique Kidjos erfährt.
Mühelos wechselt die Musikerin Genres und Sprachen. Nach dem französischen Chanson „Ces Petits Rien“ beginnt das Konzert mit „Agolo“, einem ihrer frühen Hits, sowie „Ominira“ und „Batonga“ – alle in afrikanischen Sprachen – an Fahrt aufzunehmen. Zwischen den Songs appelliert Kidjo daran, sich für eine friedlichere Welt einzusetzen und schon im eigenen Umfeld damit zu beginnen. In den englischsprachigen Liedern „Choose Love“ und „Mother Nature“ singt sie von entsprechendem Engagement.
In „Petite Fleur“ wiederum erzählt sie von der Tochterliebe ihres Vaters und von der Zeit, als sie 1982 nach Frankreich emigrierte, wo sie begleitet von väterlicher Empathie in Paris auf Manu Dibango traf, der sie unter seine Fittiche nahm. Ihm zu Ehren, der 2020 in der französischen Hauptstadt an Corona starb, singt Kidjo seinen Song „Soul Makossa“.
Im anschließenden „La Valse Des Lilas“ wird es noch einmal ein wenig melancholisch, und Angélique Kidjo appelliert eindringlich an Menschlichkeit und Veränderungen, die möglich sind, wenn sich alle entsprechend einbringen. Wie schwierig oder einfach dies in der Umsetzung sein kann, erfährt das Publikum beim gemeinsamen Singen des Stücks „Afirika“. „Ashè é maman, ashè é maman Afirika“ tönt es durchs Erholungshaus, bevor es alle bei Miriam Makebas „Pata Pata“ von den Sitzen reißt und tanzen lässt. Musik kann Menschen über alle Unterschiede hinweg zusammenbringen.
Angélique Kidjo hat mit der Unterstützung des Pianisten Thierry Vaton einen Einblick in ihr ganz persönliches Musikschaffen geboten und ein großes Stück ihrer optimistischen Energie verströmt. Die Singer/Songwriterin entlässt ihr Publikum mit noch zwei Zugaben – „Senie“ vom 1991 erschienenen Album Logozo zum Mitsingen und dem Evergreen „Summertime“, mit dessen tröstlichen Textzeilen es zurück hinausgeht in eine neblige Herbstnacht: „Eines Morgens
wirst du singend aufstehen, deine Flügel ausbreiten und in die Lüfte aufsteigen. Aber bis zu diesem Morgen kann dir nichts passieren mit Papa und Mama an deiner Seite.“







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